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Blog: Aufforstung zur CO2-Kompensation

Aufforstung zur CO2-Kompensation

von Prof. Dr. Torsten Weber und Luisa Schumann

Der Klimawandel sowie die Abholzung und Rodung der Wälder haben in den letzten Jahren zu einer drastischen Verminderung des natürlichen Waldbestands geführt. Dabei sind unsere weltweiten Wälder die wohl wichtigsten Grundlagen im Kampf gegen den Klimawandel. Auch der Sport hat hier oft einen negativen, ökologischen „Impact“ auf unsere Umwelt und damit unsere Wälder – er ist mitverantwortlich für die weltweite Klimakrise. Zudem werden viele unterschiedliche Sportarten vom Klimawandel negativ beeinträchtigt. Besonders betroffen ist davon unter anderem der Wintersport. Gleichzeitig liefert der Sport – auch in Deutschland – Anknüpfungspunkte und -ansätze, die Klimakrise zu bekämpfen und eigene Kompensationen voranzutreiben. Grundsätzlich muss dabei vollkommen klar sein: An erster Stelle gilt es, Emissionen zu vermeiden und sie "wo immer möglich" zu reduzieren. Nur dort, wo heute noch unvermeidbare Emissionen anfallen, sind Kompensationen ein Mittel, an anderer Stelle positive Klimawirkungen zu erzielen. Dennoch möchten wir uns heute mit diesen Möglichkeiten beschäftigen.

Grüne Lunge und Ressourcenlieferant

Die Wälder auf unserer Erde produzieren Sauerstoff, der für Mensch und Tier lebensnotwendig ist. Zudem speichern sie große Mengen an Kohlenstoffdioxid (CO2) ein. Zusätzlich filtern sie Schadstoffe aus unserer Atemluft, reinigen unser Wasser und bilden einen wichtigen natürlichen Lebensraum für viele verschiedene Tiere und Pflanzen. Doch Wälder sind weitaus mehr als nur ein reiner Sauerstoffversorger. Sie dienen zusätzlich als wertvoller Rohstofflieferant. Im Vergleich zu anderen Rohstoffen ist Holz bei nachhaltiger Gewinnung klimafreundlich und weitaus verträglicher für die Umwelt. Zudem ist es vielseitig einsetzbar: Wir Menschen nutzen Holz insbesondere als Baumaterial für Möbel, Fußböden, Türen oder aber für ganze Häuser und zur Papierherstellung. Auch als Brennstoff und moderne Heizungsanlage wird Holz aufgrund seiner Umweltfreundlichkeit und Effizienz gegenüber fossilen Brennstoffen immer beliebter. Während Erdgas und Mineralöl fossiles Kohlendioxid (CO2) freisetzen, verbrennt Holz CO2-neutral.

Klimawandel verursacht Waldsterben

Der weltweite Klimawandel ist einer der Hauptgründe für das aktuelle Waldsterben und hat fatale Auswirkungen auf unsere Wälder. Diese leiden massiv unter den Folgen und Auswirkungen des Klimawandels und bringen die Wälder an ihre Belastungsgrenze: Es droht ein noch stärkere globales Waldsterben. Die Ursachen für das Waldsterben sind vielfältig: Wetterextreme, anhaltende Trockenheit, Hitze, Sturmfluten und Dürre. Auch in Deutschland machen sich die Auswirkungen des Klimawandels sowie die hohen Temperaturen bemerkbar. Der Zustand unserer Wälder hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Insgesamt sind rund 250.000 Hektar Wald in Deutschland beschädigt. Waldbrände haben allein im Jahr 2018 eine Fläche vernichtet, die so groß ist wie 3.300 Fußballfelder. Hier sind vor allem die Fichten- und Kiefernbestände betroffen, doch auch Eichen und Buchen leiden trotz ihrer eigentlich starken Robustheit und hohen Resistenz. Großer Handlungsdruck dazu besteht zudem auch in anderen Ländern, wie Brasilien, Indonesien oder in Afrika, bspw. in Sambia. Dort wird Tropenholz wild geschlagen, um es zu exportieren. Bauern brennen ihre Felder vor der Aussaat ab, um sie ohne großen Aufwand vom Unkraut zu befreien. Oft werden die Baumstämme mangels anderer Energiequellen auch als Feuerholz genutzt oder zu Holzkohle verarbeitet. Hier muss nicht nur „gegengearbeitet“ werden, sondern eine Neubepflanzung kann das natürliche Gleichgewicht wiederherstellen und zudem CO2-positver für unseren Planeten wirken.

Aufforstung als CO2-Kompensation

Komplett aufhalten lässt sich der Klimawandel vermutlich kaum – jedoch gibt es zahlreiche Maßnahmen zur Bekämpfung und um seine Folgen abzuschwächen. Eine effektive und hilfreiche Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel ist die Aufforstung von Waldflächen. Diese leistet einen aktiven und wichtigen Beitrag zum globalen Klimaschutz.

Die Erde ist derzeit mit ca. 2,8 Milliarden Hektar Wald bedeckt. Dabei ist die weltweite Neubepflanzung von 900 zusätzlichen Millionen Hektar Landfläche möglich – das entspricht in etwa einer Fläche 25 Mal so groß wie Deutschland. Insbesondere in Russland steht mit Abstand am meisten Fläche für eine Aufforstung zur Verfügung, gefolgt von den USA, Kanada, Australien, Brasilien und China. Studien zufolge könnten zwei Drittel der bislang von Menschen verursachten klimaschädlichen CO2-Emissionen durch Aufforstung aufgenommen werden. Da sich die zur Aufforstung geeignete Fläche durch den Klimawandel jedoch jedes Jahr verkleinert, ist schnelles Handeln notwendig, denn es wird Jahrzehnte dauern, bis die Wälder reifen und ihr Potenzial als natürliche CO2-Speicher ausschöpfen.

Die Rolle des Sports

Auch im deutschen Breiten- und Profisport sollten neue und innovative Wege zur Kompensation von CO2-Emissionen gefunden werden. Die nachfolgend vorgestellten Handlungsempfehlungen und Möglichkeiten können Sportlerinnen und Sportler, Sportvereine und -verbände, Fans und Förderer dabei unterstützen und Ideen und Anreize für CO2-Kompensationen liefern.

a) Baumpflanzung als Ausgleich für Sportreisen

Durch Sportreisen – seien es Flugreisen, Bahn- oder Autofahrten – entsteht eine belastende Menge an CO2-Emissionen für die Umwelt. Sportvereine und -verbände können sich aktiv für den Klimaschutz engagieren und zur Kompensation der durch Sportreisen entstehenden CO2-Emissionen beitragen, indem sie als Ausgleich Bäume pflanzen oder sich finanziell in Form von Spenden an Baumpflanzprojekten beteiligen. Auch die Anreise der eigenen Fans und/oder Gästefans kann hierdurch kompensiert werden.

b) Klima-Ticket

Eine weitere Möglichkeit zur CO2-Kompensation besteht darin, sogenannte „Klima-Tickets“ anzubieten. Mit dem Kauf eines solchen Tickets können sich die Fans eines Vereins aktiv für den Klimaschutz engagieren und Klimaschutzprojekte unterstützen. So bietet sich beispielsweise die Option an, pro gekauftem Ticket einen kleinen Cent-/Euro-Betrag für die Aufforstung von Wäldern zu spenden. Solche Klima-Tickets werden von der TSG Hoffenheim bereits seit Oktober 2019 angeboten.

c) Charity-Veranstaltungen

Für Vereine bietet sich zudem die Möglichkeit, Charity-Veranstaltungen zu organisieren. Neben zahlreichen Sportangeboten können im Rahmen solcher Veranstaltungen aufklärende Vorträge zum Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz gehalten werden. Zudem können die Besucher zu einer freiwilligen Spende an Klimaschutzprojekte und/oder Umweltorganisationen aufgerufen werden.

d) Energieeffiziente Beleuchtung und Beheizung

Durch die Nutzung erneuerbarer Energien und eine energieeffizientere Beleuchtung und Beheizung von Sportstätten kann der jährliche Energieverbrauch deutlich gesenkt werden. Die hierbei eingesparten Kosten können anschließend in Aufforstungs- und CO2-Kompensationsprojekte reinvestiert werden. Vereine können hierzu ab dem 1. Januar 2020 Fördermittel im Rahmen der Kommunalrichtlinie des Bundesumweltministeriums beantragen.

e) Spenden und Baumpflanzung für jedes Tor/jeden Sieg

Für jedes erzielte Tor oder jeden eingefahrenen Sieg können Sportvereine und -verbände Spenden an Aufforstungsprojekte tätigen oder einen Baum pflanzen. So sind sportlicher und ökologischer Erfolg sehr gut verzahnt.

f) Unterstützung von zertifizierten Klimaschutzprojekten und Kauf von Zertifikaten

Über den Kauf von Emissionszertifikaten können Sportvereine und -verbände freigesetzte Emissionen ausgleichen, indem sie Projekte zur Förderung erneuerbarer Energien oder zur Aufforstung von Wäldern finanzieren und unterstützen.

g) Entwicklung eigener Klimaschutzprojekte

Neben den bereits genannten Möglichkeiten, besteht für Sportvereine und -verbände zudem die Option, eigene, individuelle Klimaschutzprojekte zu entwickeln. Hier besteht sehr viel Potenzial in Deutschland und Partner wie „Sports for Future“ stehen mit Rat und Tat zur Seite.